4/10/2007

Die Verschwörung des Universums

Seit einigen Tagen versuche ich meine Kollegen davon zu überzeugen, dass wir alle kollektiv zwei Wochen, zumindest jedoch eine, aber das mindestens, Zwangsurlaub verordnet kriegen sollten. Dies würde die schon ins Rollen gekommene Lawine an Katastrophen zwar nicht aufhalten können, nein, das wäre ein gefährlicher Irrglaube. Aber das wäre das Geringste, was wir zur Schadensbegrenzung tun könnten.
Dass eine ungewöhnlich hohe Anzahl unserer sonst wirklich netter Kunden in den letzten Wochen zu den reinsten Bestien mutierten (oder wie Stormy Weathers sagen würde „… aber nur das Wort „Arschloch“ beschreibt es treffend.“), konnte ich ja mit ruhigem Gewissen noch auf den Mond schieben. Mittlerweile nimmt der jedoch schon wieder ab, und immer noch knistert es in der Luft, dass ich Angst habe, dass meine Haare Feuer fangen, von den Funken, die wegen den aufgeladenen Spannungen fliegen. Das Universum ist eindeutig in einer beachtlichen Schieflage. Die einzige vernünftige Erklärung, die ich dafür habe, ist die, dass momentan eine Parallelwelt zu Grunde geht. Eine wahres Trauerspiel, das selbst in unsere Welt einen erheblichen Schaden anrichtet. Mein größtes Vorbild an positiver Lebensauffassung schimpft und beschwert sich über Kleinigkeiten und ich weiß nicht, woran ich noch glauben kann.
Meine gescheite, schilddrüsenunterfunktionierende Freundin kann die Untergang der Parallelwelt-Theorie nachvollziehen. Jedenfalls tut ihr das Chaos sehr gut und sie fühlt sich wach. Sie könnte den Untergang auch als Entstehung einer neuen Parallelwelt interpretieren, aber führt ja nun tatsächlich zu weit. Meine verrückte Freundin nutzt diese mit Wirrung und Verwirrungen gesegnete Zeit, der Menschheit ihren royalen Rang, der unverständlicher Weise über Jahrzehnte mit Füßen getreten worden ist, zu verdeutlichen und wieder besser zu repräsentieren. Alles für die Krone! Scheint erfolgsversprechend zu sein, Eure Majestät. Es gibt auch noch weitaus weniger charmanten Großenwahn gepaart mit Selbstüberschätzung, der nicht auf einen gewöhnlichen Zufall zurückgezogen werden darf. So wie der kleine Notebookverkäufer, der cholerischer Weis einer großen Suchmaschine und im speziellen einer unglückseeligen Mitarbeiterin den Kampf ansagt hat und sein letztes tun wird (sei es innerhalb seiner Dozentenrolle, sei es wenn er seinem Freund, dem einflussreichen Richter nen Kaffee bringt), bis deren Monopol endlich und berechtigter Weise zusammenbricht und dann wieder Gerechtigkeit herrscht. Und soviel Idealismus für einen Rabatt…
Ich muss stark darüber nachdenken, ob ich denn wirklich diesen unleugbar schlechten Zeitpunkt für meine fest geplante Augen-OP nutzen soll. Kommentare wie „Ich bestell schon mal den Hund“, „Okay, ´lil Steve Wonders“ konnte ich vor 14 Tagen noch locker abschütteln. Mittlerweile heften sie sich fest.
Ich habe zwischenzeitlich eingesehen, dass gerade Irland im Epizentrum der moralischen Verwüstung liegen muss, mit starken Ausläufern nach Deutschland. Deswegen habe ich auch beschlossen, meine Ostertage in Frankreich zu verbringen. Ich weiß nicht gewiss, ob ich mich dort in Sicherheit wiegen kann. Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Als Lösungsansatz schlage ich vor, den teuflischen Teufelskreis im Atom zu unterbrechen. Spuckt euch der Chipsverkäufer auf die Pommes, tut es ihm gleich und lacht. Beschimpft euch der Smoothie-Verkäufer zu übelst auf polnisch, weil ihr doch zwei Getränke wollt anstatt wie eingangs bestellt nur eins, misshandelt euch die Commerzbank-Angestellte verbal über mehrere E-Mails hinweg, weil ihr es wagt, „relativ unzufrieden“ mit der Kommunikation zu sein, lächelt großmütig und zeigt euch versöhnlich mit –naja- überdurchschnittlichem Kleingeist. Lächeln ist schließlich eine elegante Art, die Zähne zu zeigen. Und schließlich ist es nicht ihre Schuld. Es liegt an der kollabierenden Parallelwelt und der Schieflage des Universums.