1/29/2007


Geisterstunden

Ich rief nur einen Geist. Aber er brachte seine Freunde, die mich nun übermannen. Der kleine Geist, den ich normalerweise alleine treffe, ist als solcher schon sehr stark. Er wirft mich kopfüber durch meinen Alltag, wirbelt mich in der Routine wie im Schleudergang und lässt immer nur widerwillig von mir ab. Ich weiß seine Stärke einzuschätzen, ich wage mich immer wieder ins Gefecht, auch wenn ich von vornherein weiß, dass es nur Geschwächte geben kann. Keine Verlierer, denn verlieren kann man nicht, aber verletzen kann man sich. Und wir sind immer verletzt.
Diesmal hat mein bekannter Geist jedoch seine Gefährten mitgebracht, die mich umzingeln, langsam in mein Gehirn kriechen und sich in meinem Inneren ausbreiten. Sie sind süß und lieblich, weil sie verklären und mich träumend machen. Gleichzeitig sind sie gefährlich, machen mich wahnsinnig. Machen mich außer Atem, machen mich wirr, machen mich in meinem Kopf drehend, machen mich gehetzt, getrieben, umtrieben, machen mich im Traum laufend ohne die Beine heben zu können. Ersticken meine Tränen, ersticken sie mit Hoffnungslosigkeit. Verdrängen meinen Ärger, verdrängen ihn mit Selbsthass. Töten meine Unruhe, töten sie mit Gelähmtheit.

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