1/29/2007


Geisterstunden

Ich rief nur einen Geist. Aber er brachte seine Freunde, die mich nun übermannen. Der kleine Geist, den ich normalerweise alleine treffe, ist als solcher schon sehr stark. Er wirft mich kopfüber durch meinen Alltag, wirbelt mich in der Routine wie im Schleudergang und lässt immer nur widerwillig von mir ab. Ich weiß seine Stärke einzuschätzen, ich wage mich immer wieder ins Gefecht, auch wenn ich von vornherein weiß, dass es nur Geschwächte geben kann. Keine Verlierer, denn verlieren kann man nicht, aber verletzen kann man sich. Und wir sind immer verletzt.
Diesmal hat mein bekannter Geist jedoch seine Gefährten mitgebracht, die mich umzingeln, langsam in mein Gehirn kriechen und sich in meinem Inneren ausbreiten. Sie sind süß und lieblich, weil sie verklären und mich träumend machen. Gleichzeitig sind sie gefährlich, machen mich wahnsinnig. Machen mich außer Atem, machen mich wirr, machen mich in meinem Kopf drehend, machen mich gehetzt, getrieben, umtrieben, machen mich im Traum laufend ohne die Beine heben zu können. Ersticken meine Tränen, ersticken sie mit Hoffnungslosigkeit. Verdrängen meinen Ärger, verdrängen ihn mit Selbsthass. Töten meine Unruhe, töten sie mit Gelähmtheit.


Ich male.

Alle Farben stimmen irgendwie.

Die Formen sind schön, die Farben passen zwar nicht zu einander, aber kein aber. Es ist schön.

Ich will ein Baby. Ich will heute ein Baby. Nur heute. Ich will eine Mama sein, nur heute. Nur sofort. Ich will die Münchner Altbauwohnung. Ich will schwanger im Englischen Garten rumlaufen. Nur im Sommer. Nur barfuß. Ich will Sonne, vielleicht auch Sommerregen. Egal, Hauptsache schwanger, hauptsache, hauptsache.

Ich koche.

Ich habe keinen Hunger, ich will einfach nur kochen. Fleisch schneiden, Zwiebel schneiden, Paprika schneiden. Anbraten, erst die Zwiebeln. Und dann alles andere. Alles wird richtig gemacht, es wird lecker sein. Aber ich habe keinen Hunger.

Ich weine. Ich bin so traurig. Weil ich zu essen, aber keinen Hunger habe. Ich koche trotzdem.

Ich male wieder. Und auf einmal ist das Bild nicht mehr schön. Die Formen sind falsch. Die Farben sind zu bunt, und zu einfarbig. Es macht keinen Spaß mehr. So enttäuschend.

Ich will ein Baby, aber nur weil meine Hormone es wollen. Ich will nur den Sommer, die barfüßige Wiese, das Paradies, vielleicht auch Sommerregen. Aber mittlerweile habe ich Hunger.

1/05/2007

2007 kann nichts mehr schief gehen. Sogar AIDS haben wir in den Griff gekriegt (gesehen in Jodphur, Indien)

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